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Damals gelacht – Keiner geglaubt – Heute erzählt
von Olaf L. und Olaf N.
Bevor die Wismar zu einer Wartung oder Reparatur in der Peenewerft Wolgast einlaufen konnte, musste die gesamte Munition des Schiffes (Artilleriegranaten, Wasserbomben, Torpedos) von Bord. Für die Besatzung bedeutete dies jedesmal etwa drei lange Tage Schufterei.
Vor allem das Abrüsten der 96 reaktiven Wasserbomben RGB 60 mit einem Gewicht von jeweils 110 kg war absolute Schwerstarbeit. Zunächst wurden die Wasserbomben mit Hilfe eines Elektrokettenzugs (Liftket) aus der Last vom Boden des Schiffes hinauf bis in den Hauptbetriebsgang gehievt. Der Heißkorb, welcher am Stabilisator (Leitwerk) der auf dem Kopf stehenden Wasserbombe zu befestigen war, hatte drei Haken. Wurde ein Haken nicht eingesetzt, hing die Wasserbombe schief. Eine schief hängende Wasserbombe konnte beim Aufstieg verkannten und das Herausspringen der übrigen Haken nach sich ziehen. Ein Detonieren der Sprengladung war zwar auch bei einem Absturz ausgeschlossen, jedoch stellten 120 kg im freien Fall aus 4 Meter Höhe immer eine Gefahr für Schiff und Besatzung dar.
Beim Abrüsten für die große Werftliegezeit 1986 passiert es doch einmal, dass eine Wasserbombe nur an zwei Haken hängend hochgehievt wurde. Als die Bombe aus der Bodenluke im Hauptbetriebsgang auftauchte, wurde das Malheur sichtbar. Der Sperrwaffenleitmaat am Liftkett umfasste die Wasserbombe gleich mit beiden Armen, um sie so etwas führen zu können. Als die Bombe schon fast ganz aus dem Förderschacht herausragte, lösten sich aber doch noch die Haken aus dem Stabilisator.
Instinktiv presste der Sperrwaffenleitmaat die Wasserbombe mit aller Kraft an an seinen Körper. Nur ein kleines Stück glitt sie ihm noch durch die Arme, bis der Stabilisator auf seiner Schulter aufsetzte und er in die Knie ging. Aber er hielt die Bombe. Alle Umherstehenden starrten ihn wie versteinert an. Erst als er mit letzter Kraft um Hilfe schrie, zogen sie mit vereinten Kräften die Bombe ganz aus dem Förderschacht heraus und befreiten den Obermaaten aus seiner misslichen Lage.