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Damals gelacht – Keiner geglaubt – Heute erzählt
von Olaf L. und Olaf N.
Vom Kommandanten der Wismar wird berichtet, dass er sich an der Durchführung von Ausbildungselementen mit Sprengstoff-Immitationsmitteln gern persönlich beteiligt habe. Es wird behauptet, die eine oder andere »Wasserbombe« sei nicht ganz ohne Absicht schon an Deck oder kurz über der Wasseroberfläche detoniert – bleibende Spuren am Schiffskörper hinterlassend. Falls es zuträfe, dass diese Leidenschaft in späteren Jahren etwas nachgelassen haben sollte, könnte dies auch auf folgende Begebenheit zurückzuführen sein:
Es muss 1985 gewesen sein. Das Schiff lag bei ruhiger See vor Anker, als in aller Herrgottsfrühe der Kommandant auf der Brücke erschien und sich Leuchtpistole, Patronen sowie einige Immitationskörper bringen ließ. Die Wachgänger auf der Brücken stellten sich darauf ein, dass es jeden Augenblick krachen würde.
Zunächst passierte allerdings nichts. Anscheinend wollte der Kommandant erst noch den richtigen Zeitpunkt für sein Vorhaben abwarten. Wie zum Zeitvertreib prüfte er noch die Leuchtpistole und stellte fest, dass deren Schlagbolzen fehlte. Solange der Verwalter des Handfeuerwaffen-Hellegats damit beschäftigt war, eine neue Pistole auf die Brücke zu bringen, ließ der Kommandant immer wieder das Schloss der defekten Pistole klicken. Dabei legte er seinen Daumen in den Verschluss, als wollte er sich jedes Mal aufs Neue vom Fehlen des Schlagbolzens überzeugen.
Der Funkmesswaffenleitmaat, welcher zur Wache auf der Brücke gehörte, beobachtete die ganze Zeit den Kommandanten bei seinem Tun. Um den Augenblick nicht zu verpassen, in dem die Übung gestartet würde, ließ er ihn nicht aus den Augen.
Schließlich meldete sich der Verwalter des Handfeuerwaffen-Hellegats mit einer neuen Leuchtpistole auf der Brücke und überreichte sie dem Kommandanten. Doch offensichtlich war immer noch nicht der Zeitpunkt für den Beginn der geplanten Übung erreicht, denn er setzte sich wieder auf den Sitz hinter der Radaranlage und sah hinaus, wo sich die ersten Sonnenstrahlen zeigten. Ohne den Blick abzuwenden nahm er nach ein paar Minuten die vor ihm liegende Leuchtpistole in die Hand und begann erneut mit dem Abzug zu spielen. Er spannte den Hahn, legte wie zuvor seinen Daumen in das Schloss und drückte den Abzug. Dieses Mal machte es jedoch nicht »Klick«. Als der Schlagbolzen auf den Daumen des Kommandanten traf, war sein Schmerz so groß, dass jeder auf der Brücke sein »Aaaaauu« gut hören konnte.
Der Funkmesswaffenleitmaat konnte sich in seiner Ecke nicht mehr halten und lachte laut los. Als der Kommandant ihn mit ernster Mine fragte, was es da zu wohl lachen gab, antwortete er: »Na soviel Blödheit muss doch bestraft werden.«
An diesem Morgen fand die geplante Übung nicht mehr statt, der Kommandant hatte einen verletzten Daumen zu verarzten.